Der Deutsche Schwimmverband hat im April 2017 erstmals einen „Rahmentrainingsplan zum Krafttraining im Beckenschwimmen“, kurz „RTP Kraft“, veröffentlicht. Damit sollen Grundlagen für bessere Wettkampfergebnisse gelegt werden. Das bisher vorherrschende Krafttraining in vielen Deutschen Vereinen und Stützpunkten basierte hauptsächlich auf Kraftausdauerkomponenten und wird von dem RTP Kraft als überholt bezeichnet.
Hintergrund des RTP Kraft ist die Tatsache, dass der deutsche Schwimmsport den Anschluss an die Weltspitze längst verloren hat. Bei den olympischen Spielen 2012 und 2016 wurden keine Medaillen erzielt. Bereits im Jahr 2012, was vom Spiegel-Online als „DSV-Debakel“ bezeichnet wurde, sah man den Anschluss an die Weltspitze als verloren an. Das Jahr 2016 war nicht besser. Keine einzige Medaille und nur 7 Finalteilnahmen waren zu verzeichnen.
In dem im Jahr 2017 veröffentlichten RTP Kraft wurde nun als ein wesentlicher Grund die fehlende Kraft der deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer identifiziert. Zwischen der bisherigen trainingsmethodischen Ausrichtung des DSV und den internationalen Entwicklungen in Praxis und Wissenschaft wird eine große Diskrepanz gesehen. Ein gewisses Niveau an Kraft sei unabdingbar, um international konkurrenzfähig zu sein. Und genau dieses Mindest-Niveau an Kraft fehle den deutschen Schwimmerinnen und Schwimmern.
Interessant: Als ein Problem wurde die zu geringe Knochendichte der Schwimmerinnen und Schwimmer identifiziert. Der mit dem täglichen und stundenlangen Training verbundene Wasserauftrieb entlastet die Knochen, was zu einer vergleichsweise geringen Knochendichte der Schwimmsportler führt. Folge: geringe Knochendichte = weniger Kraft. Maßnahme: Mehr Krafttraining = mehr Knochendichte = mehr Kraft.
Was wird empfohlen? Während Krafttraining im Schwimmen bislang hauptsächlich aus Ziehen am Zugseil oder Trainingseinheiten mit (sog.) Paddels bestand, empfiehlt die Studie nunmehr die Kniebeuge, das Bankdrücken, Klimmzüge sowie das Kreuzheben, das Reißen und das Umsetzen. Im Grunde ist das also gerade kein (sog.) „functional training“, also kein bewegungs- und schwimmsportartspezifisches Krafttraining, sondern ein Krafttraining mit den klassischen Grundübungen. Eine Erkenntnis auf die übrigens Werner Kieser, der Gründer der Fitnesskette Kieser-Training, bereits 1999 in seinem Buch Ein starker Körper kennt keinen Schmerz (Heyne-Verlag) hingewiesen hat. Sein Credo: „Leistungssportler brauchen kein spezielles Krafttraining. Dem Muskel ist es egal, wozu seine Kraft dient. Es gibt keine sportartverschiedenen Kräfte und Kraft kann auch nicht sportartspezifisch trainiert werden.“ Davon zu unterscheiden ist die Koordinationsschulung. Hier gilt das Gegenteil: (Nur) Diese sind sportartspezifisch einzuüben. Am besten so oft wie möglich.
